Der unser Land kulturell so bereichernde Föderalismus bedarf eines zeitgemäßen Updates – durch eine digitale Kreativitätsoffensive. Nur so lässt sich diese historisch gewachsene und weltweit fast einmalige Vielfalt bewahren – und demokratisieren!

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November 2021

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Der unser Land kulturell so bereichernde Föderalismus bedarf eines zeitgemäßen Updates – durch eine digitale Kreativitätsoffensive. Nur so lässt sich diese historisch gewachsene und weltweit fast einmalige Vielfalt bewahren – und demokratisieren!

Deutschland hat eines der reichhaltigsten und vielfältigsten Kulturangebote der Welt. Nach wie vor ist häufig die Rede davon, dass diese Kulturlandschaft aufgrund der Corona-Pandemie und ihrer Nachwehen in ihrem Bestand gefährdet ist. Diese Feststellung ist einerseits wahr. Andererseits verkürzt die Fokussierung auf die Pandemie die Perspektive in einer Weise, die den eigentlichen Herausforderungen für unsere Kulturlandschaft nicht gerecht wird.

Letztlich gilt für unsere Bühnen, Museen und auch die Welterbestätten nichts anderes als für die Schulen und Universitäten: Wir haben in der Kultur die Relevanz und transformative Kraft der Digitalisierung bisher in unverantwortlicher Weise verschlafen und geglaubt, uns am Status Quo festklammern zu können.

Dabei meint Digitalisierung hier weitaus mehr als die digitale Reproduktion von Kunstwerken. Tatsächlich geht es geht um die konsequente Einbeziehung von digitalen Technologien und Anwendungen in alle Prozesse der Produktion, der Dokumentation und der Vermittlung von Kultur und kultureller Praxis. Längst ist klar: Digitalisierung bedingt nicht nur einen Wandel der Instrumente. Digitalisierung fordert eine andere Art des Handelns und des Denkens. Die Kultur ist hier keine Ausnahme, es bedarf vielmehr neuer kultureller Praktiken.

Ein Festklammern am Status quo ante Corona ist schon deshalb unverantwortlich, weil – zumindest was die Vermittlung der „klassischen“ Kultur anbelangt – es schon seit geraumer Zeit erhebliche Probleme gibt, diese Angebote in einer attraktiven, also sie „anziehenden“ Form auch an jüngere Menschen heranzutragen.

Ähnlich verhält es sich mit Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen schwer damit tun, Kulturinstitutionen wie Museen aufzusuchen. Auch hier gilt es, neue Wege und Formate der Ansprache zu finden, die dabei helfen, solche Barrieren abzubauen. Nur so können mehr Teilhabe, eine größere Vielfalt der Perspektiven und aktives Mittun in kreativen Prozessen gerade auch des jüngeren Publikumsermöglicht werden.

Wozu mehr Teilhabe?

Mehr Teilhabe brauchen wir, weil uns ernsthaft daran gelegen sein muss, dass gerade die aus öffentlichen Mitteln – also aus Steuergeldern – finanzierten kulturellen Angebote möglichst vielen Menschen mit möglichst unterschiedlichen Lebenswegen zugutekommen. Dabei geht es keineswegs darum, den Geist der „Kultur für Alle“-Utopie weiter zu beschwören, sondern darum, Vielstimmigkeit zu erreichen. Kultur darf nicht zur Echokammer einiger weniger werden. Denn dann ist sie keine Kultur mehr, sondern das gegenseitige Zelebrieren von selbstreferentiellen Eilten.

Besonders wichtige Kanäle einer möglichst breiten Ansprache durch die Kultur sind Soziale Medien und Videoportale. Hier sind es vor allem schnell erfassbare, audiovisuell attraktiv gestaltete digitale Inhalte – meist in Form von Videos – welche tendenziell besonders erfolgreich sind – „snackable content“ sagt man im Marketing dazu. Aber auch längere Videoproduktionen und Livestreams im Internet gewinnen an Bedeutung und treten damit in Konkurrenz zu herkömmlichen Film- und TV-Produktionen.

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